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Der Kanal 70

Als in den späten 1960er Jahren einige Jugendliche ein altes, verlassenes Kellergewölbe zu ihrem neuen Freizeittreff ausbauten, ahnte wohl niemand, was später einmal daraus werden würde. Heute, ein halbes Jahrhundert später, erzählen die erwürdigen Sandsteinmauern des Wormser Jugend- und Kulturzentrums Kanal 70 von einer langen, facettenreiche Geschichte: Von den ersten "Jazzabenden im Jugendklub" und den sonntäglichen Teestuben bei Kassette und Langspielplatte über interkulturelle Begegnungen, Asylhilfe und Beratung bei der Kriegsdienstverweigerung bis hin zu Rocknächten und Metal-Konzerten. Von Widerstand über Akzeptanz bis Anerkennung, vom Aufbegehren der wilden 60er und 70er bis zur Smartphone-Generation des 21. Jahrhunderts.

Es ist unmöglich, hier alle unterschiedlichen Angebote und Konzepte aufzulisten, die der Kanal 70 in den letzten fünf Jahrzehnten durchlaufen hat. Daher möchten wir uns auf eine Beschreibung des laufenden Angebots zum Zeitpunkt der Schließung 2017 beschränken.

Im Schülercafé gab es täglich ein frisches, günstiges Mittagessen zum Selbstkostenpreis. Es wurden gemeinsam Hausaufgaben erledigt, für die Freizeit standen Kicker, Darts, Billard, Brettspiele usw. bereit. Der klassische Jugendtreff. Das Schülercafé war die erste Anlaufstelle für alle interessierten Jugendlichen und die „Quelle“ für den Nachwuchs in unserem ehrenamtlichen Team.

Beim Feierabend konnte man sich einmal pro Woche abends in gemütlicher Atmosphäre treffen. Hier war oft Platz für kleinere Programmpunkte wie DJ-Musik, Filmabende oder Kicker-Turniere.

In letzter Zeit hatte sich das Format Offene Bühne wieder als erfolgreiche Veranstaltungsform etabliert, bei der zunächst eine lokale Band spielte und die Bühne anschließend zum freien Musizieren geöffnet wurde.

Bei den unregelmäßig stattfindenden Konzerten im Kanal 70 waren i.d.R. drei bis vier Bands pro Abend bei einem jugendgerechten Eintrittspreis zwischen 3 und 5 Euro am Start. Diese Veranstaltungen waren die Auftrittsmöglichkeit für junge Künstler und lokale Nachwuchsbands. Unserem ehrenamtlichen Team aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen boten sie die Möglichkeit, aktiv die Kulturszene von Worms mitzugestalten. Das letzte große Konzert im März 2017 war ausverkauft.

Durch die offenen Strukturen in unserer Arbeit, das große Team, die Nähe zu den Wormser Schulen und nicht zuletzt natürlich durch die atmosphärischen Räumlichkeiten des Kellergewölbes war es uns in den letzten Jahren möglich, immer wieder neue Projekte und Veranstaltungsformen auszuprobieren. Nicht alles war der große Hit, aber wir sind stolz und dankbar dafür, was wir in den letzten Jahren alles auf die Beine stellen durften:

Projektbands, Ferienspiele, Musik- und Handwerker-Workshops, Jam-Sessions, Jazz-Abende in Kooperation mit der Wormser BlueNite, Weltcafés in Kooperation mit dem Evang. Dekanat und der Hochschule Worms, eine Film-AG mit dem Eleonoren-Gymnasium, verschiedene Informationsveranstaltungen (z.B. gegen Stammtischparolen und Fremdenfeindlichkeit), Renovierungs-Partys, ein unterirdischer Flohmarkt, eine Kunstausstellung, Grillabende, Turniere, Rock & Reibekuchen... und noch so viel mehr.